Thun und Interlaken gehören zu den dynamischsten Solarregionen im Kanton Bern. Beide Städte bieten hervorragende Bedingungen für Photovoltaik – von überdurchschnittlichen Sonnenstunden bis zu einem engagierten lokalen Handwerk. In diesem Artikel beleuchten wir die Besonderheiten beider Standorte.
🌇 Solar in Thun: Tor zum Berner Oberland
Thun liegt am Ausgang des Berner Oberlands auf rund 560 m ü. M. und profitiert von einer begünstigten Lage am Thunersee. Die Stadt und ihre Agglomerationsgemeinden (Steffisburg, Heimberg, Uetendorf) verzeichnen durchschnittlich 1'480–1'520 Sonnenstunden pro Jahr – ein solider Wert, der durch die Seelage und die südliche Öffnung zum Oberland begünstigt wird.
Die Stadt Thun hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt und fördert den Solarausbau aktiv. Besonders die grossen Dachflächen auf den Industrie- und Gewerbebauten im Thun-Süd und in Steffisburg bieten enormes Potenzial. Aber auch die Quartiere mit Einfamilienhäusern entlang der Aare und an den Hanglagen haben ideale Voraussetzungen.
Besonderheiten Thun
- Seeklima: Der Thunersee wirkt als Wärmespeicher und mildert Temperaturextreme – positiv für die Moduleffizienz
- Gewerbe: Grosse Flachdächer auf Industriegebäuden bieten Potenzial für Anlagen von 50–500 kWp
- Netzbetreiber: BKW (die meisten Gemeinden) – einheitliche Tarife und Verfahren
- Steuersatz: Thun hat einen moderaten Steuerfuss, der den Steuerabzug attraktiv macht
🏔️ Solar in Interlaken: Zwischen Thuner- und Brienzersee
Interlaken liegt in einer einzigartigen Lage zwischen zwei Seen auf 568 m ü. M. Die Region profitiert von der breiten Talöffnung und der Reflexion des Sonnenlichts an den Wasseroberflächen. Mit rund 1'500–1'560 Sonnenstunden pro Jahr bietet Interlaken leicht bessere Bedingungen als Thun.
Die Tourismusgemeinde hat ein besonderes Interesse an einem nachhaltigen Image und fördert Solaranlagen auf Hotels, Ferienwohnungen und Tourismusinfrastruktur. Mehrere Hotels in der Region haben in den letzten Jahren grosse PV-Anlagen installiert und vermarkten ihren Solarstrom als Teil ihres Nachhaltigkeitskonzepts.
Besonderheiten Interlaken
- Tourismus: Hotels und Ferienwohnungen profitieren besonders von Solarstrom – der Verbrauch ist im Sommer am höchsten, wenn die Solarproduktion maximal ist
- Höhenlage: Die umliegenden Gemeinden (Unterseen, Matten, Wilderswil) reichen bis auf 600+ m ü. M. mit entsprechend höherer Strahlung
- Ortsbildschutz: In der Altstadt von Unterseen gelten besondere Gestaltungsvorschriften – hier sind farbige Module oder Solarziegel gefragt
- Schneelast: In höheren Lagen ist die Schneelast bei der Planung zu berücksichtigen
💰 Förderung und Wirtschaftlichkeit in der Region
Die Förderung für Solaranlagen in Thun und Interlaken entspricht der kantonalen Förderung (EIV + Batterieförderung + Steuerabzug). Zusätzlich bieten vereinzelt lokale Programme ergänzende Unterstützung. Die Wirtschaftlichkeit ist in beiden Regionen hervorragend:
- 10-kWp-Anlage in Thun: Netto-Investition ca. CHF 10'800 nach Förderung, Amortisation in rund 5–6 Jahren
- 10-kWp-Anlage in Interlaken: Netto-Investition ca. CHF 11'200 (leicht höhere Installationskosten), Amortisation in rund 5–7 Jahren
Beide Standorte profitieren von den BKW-Rückspeisevergütungen und dem kantonalen Steuerabzug. Die leicht höheren Erträge in Interlaken kompensieren die potenziell höheren Installationskosten.
🏗️ Praxisbeispiel: Mehrfamilienhaus in Thun
Ein Mehrfamilienhaus mit 8 Wohneinheiten in Thun-Allmendingen hat 2025 eine 25-kWp-Anlage mit 20-kWh-Batteriespeicher installiert. Die Anlage versorgt das gesamte Gebäude im Rahmen eines ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch). Die Ergebnisse nach einem Jahr:
- Jahresproduktion: 27'500 kWh
- Eigenverbrauchsanteil: 72% (dank Speicher und ZEV-Modell)
- Jährliche Einsparung: CHF 5'800 für die Eigentümerschaft
- Mieterersparnis: Rund CHF 120 pro Wohnung und Jahr durch günstigeren Solarstromtarif
🌊 Der Seefaktor: Einfluss der Seen auf Solar
Thuner- und Brienzersee haben einen nachweisbaren positiven Einfluss auf die Solarerträge in der Region. Die Wasseroberflächen reflektieren Sonnenlicht (besonders bei tiefem Sonnenstand) und erhöhen dadurch die diffuse Strahlung in der Umgebung. Gleichzeitig wirken die Seen als Temperaturregulatoren: Im Sommer bleibt es in Seenähe kühler, was die Effizienz der Solarmodule um 2–3% verbessern kann.
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Umweltbilanz und Nachhaltigkeit
Eine Solaranlage in der Schweiz vermeidet pro kWp jährlich rund 400–500 kg CO₂. Bei einer typischen 10-kWp-Anlage sind das über die Lebensdauer von 25 Jahren mehr als 100 Tonnen eingespartes CO₂. Die energetische Amortisation – also die Zeit, bis die Anlage mehr Energie produziert hat als für ihre Herstellung benötigt wurde – liegt bei nur 1–2 Jahren. Danach liefert sie über 20 Jahre lang sauberen, klimaneutralen Strom. Am Ende ihrer Lebensdauer können über 95 % der Materialien recycelt werden. Silizium, Glas und Aluminium werden zurückgewonnen und in neuen Produkten eingesetzt. So schliesst sich der Kreislauf – und Sie leisten einen messbaren Beitrag zur Energiewende in der Schweiz.
Den richtigen Solarinstallateur finden
Die Wahl des Installateurs ist entscheidend für eine erfolgreiche Solaranlage. Achten Sie auf folgende Kriterien: Der Betrieb sollte über eine Swissolar-Zertifizierung verfügen und Erfahrung mit mindestens 50 installierten Anlagen vorweisen können. Holen Sie mindestens drei Offerten ein und vergleichen Sie nicht nur den Preis, sondern auch die verwendeten Komponenten und Garantiebedingungen. Ein guter Installateur bietet eine Vor-Ort-Begehung an und erstellt eine individuelle Ertragsberechnung. Fragen Sie nach Referenzprojekten in Ihrer Region. Der Installateur sollte auch den Papierkram übernehmen: Baumeldung, Pronovo-Anmeldung und Netzgesuch. Seriöse Betriebe bieten zudem Wartungsverträge an, die eine regelmässige Überprüfung der Anlage sicherstellen und so langfristig die optimale Leistung gewährleisten.
Häufige Fragen zur Solaranlage
Wie lange hält eine Solaranlage? Moderne Solarmodule sind auf mindestens 25–30 Jahre ausgelegt. Viele Hersteller geben eine Leistungsgarantie von 25 Jahren mit mindestens 80 % der Nennleistung.
Brauche ich eine Baubewilligung? In den meisten Schweizer Kantonen sind Auf-Dach-Anlagen meldepflichtig, aber nicht bewilligungspflichtig. Ausnahmen gelten in Schutzgebieten und bei denkmalgeschützten Gebäuden.
Was passiert bei Schnee? Schnee rutscht bei geneigten Dächern schnell ab. Der Ertragsverlust im Winter ist minimal – die Hauptproduktion findet von März bis Oktober statt.
Wie viel Strom produziert meine Anlage? Pro kWp installierter Leistung können Sie in der Schweiz mit 900–1’100 kWh Jahresertrag rechnen – je nach Standort und Ausrichtung.
Solaranlage für Mieter und Stockwerkeigentümer
Auch ohne eigenes Dach können Sie von Solarstrom profitieren. Das Modell der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) ermöglicht es Mietern und Stockwerkeigentümern, gemeinsam eine Solaranlage zu betreiben und den Strom untereinander aufzuteilen. Der Vermieter oder die Stockwerkeigentümergemeinschaft installiert die Anlage, und die Kosten werden fair auf alle Parteien verteilt. Seit der Revision des Energiegesetzes sind die rechtlichen Rahmenbedingungen klar geregelt. Der Solarstrom wird direkt an die Bewohner verkauft – günstiger als der normale Netzstrom. Alternativ gibt es Stecker-Solaranlagen für den Balkon: Mit 300–800 Watt Leistung produzieren sie genug Strom für Kühlschrank und Grundlast – ganz ohne Dachmontage.
Solarstrom und Elektromobilität
Die Kombination von Solaranlage und Elektroauto ist besonders attraktiv. Ein E-Auto verbraucht rund 15–20 kWh pro 100 km – bei 15’000 km Jähresfahrleistung sind das etwa 2’500 kWh. Mit einer 10-kWp-Anlage produzieren Sie in der Schweiz jährlich rund 10’000 kWh – mehr als genug für Haushalt und Auto. Wer sein E-Auto tagsüber zu Hause laden kann, nutzt den Solarstrom direkt und spart die teuren öffentlichen Ladetarife. Eine smarte Wallbox mit Solarstrom-Optimierung lädt das Auto bevorzugt dann, wenn die Sonne scheint. So fahren Sie praktisch gratis – und CO₂-neutral. Die Investition in eine Wallbox liegt bei CHF 1’500–3’000 inklusive Installation.